Die Pressestimmen zur Wahl

Vom / Wahl heute

Kommentare aus deutschen Zeitungen

Badische Zeitung: „Wie es gehen könnte, machte am Sonntag ausgerechnet einer vor, den vielen gern als Präsident gesehen hätten: Bundestagspräsident Norbert Lammert verurteilte Abschottung und Vormachtstreben der USA unter Trump rhetorisch derart brillant, dass es die meisten Delegierten ergriffen von den Sitzen riss. Aber ach, Lammert hatte sich nicht aufstellen lassen, die CDU keinen anderen Kandidaten gefunden. Erst dieser Umstand brachte Steinmeier die Unterstützung der Union ein. CDU/CSU täten gut daran, dies jetzt nicht als Demütigung zu begreifen. Ein Präsident Steinmeier ist schließlich keine Schande, sondern eine Chance.“

FAZ: „Steinmeier ist eigentlich Ausdruck dafür, dass Überparteilichkeit eine Legende ist. Der Autor der Agenda 2010 und ehemalige Kanzlerkandidat der SPD ist alles andere als ein ‚überparteilicher‘ Kandidat. Die SPD wäre nicht die SPD, wenn sie ihn nur als Musterdemokraten und nicht auch und vor allem als Sozialdemokraten ins Rennen geschickt hätte. Die Wahl Steinmeiers ist deshalb eine Niederlage für CDU und CSU, aber auch für das Vertrauen darin, dass der Wettbewerb unter den Parteien eine gute Sache ist.”

Berliner Zeitung: „Frank-Walter Steinmeier ist die ideale Verkörperung der staatstragenden SPD. Deshalb war er ein so schlechter Kanzlerkandidat – und deshalb hat gerade er das Potenzial, ein Bundespräsident zu sein, der alle Bürger anspricht.”

Süddeutsche Zeitung: „Lammert hat in dieser Ansprache gezeigt, dass er, jedenfalls was die rhetorische Potenz betrifft, ein wunderbarer Bundespräsident geworden wäre. Zwar hatte er seine Kandidatur aus persönlichen Gründen abgelehnt, aber seine Rede war erfüllt von präsidialem Feuer und der herrlichen Gabe, Nachdenklichkeit und Heiterkeit miteinander zu verbinden.”

Rheinische Post: „Frank-Walter Steinmeier wird jene, die Augenmaß, Versöhnlichkeit und Klugheit von einem Staatsoberhaupt erwarten, nicht enttäuschen. Das ist die große Mehrheit der Deutschen. Steinmeier darf auch als Signal der Deutschen an die westliche Welt verstanden werden, die in Teilen ihren auf Freiheit und Menschlichkeit geordneten Kompass verloren zu haben scheint. Seht her: Wir wählen einen an die Spitze, der die alten westlichen Werte wie kaum ein Zweiter repräsentiert.”

Kommentare aus internationalen Zeitungen

El Pais (Spanien): „Tatsache ist, dass die beiden großen Treffer, die die SPD in jüngster Zeit erzielt hat – die Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten sowie das Umfrage-Hoch der SPD aufgrund des ‚Schulz-Effekts‘ – beide auf Gabriels Konto gehen. Es ist ein doppelter Sieg des Verlierers Sigmar Gabriel.”

Rzeczpospolita (Polen): „Viele Medien weisen darauf hin, dass Steinmeier ein Vertreter der guten alten und bewährten Eliten ist, die im Grunde der Rückhalt der Gesellschaft sind und die an vielen Orten vom Populismus verdrängt werden. Hinter dieser Auslegung steckt die These, dass Deutschland ein berechenbares Land ist – im Gegensatz zu Trumps USA.”

Basler Zeitung (Schweiz): „Da sich die Union und die SPD schon Wochen zuvor auf Steinmeier als Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck verständigt hatten und auch die Grünen und die FDP ihre Zustimmung signalisierten, war es eine Wahl ohne Spannung. Dabei könnte mehr Wettbewerb Deutschland möglicherweise mehr einen als die überparteiliche Harmonie.”

Kommentare aus Online-Medien

Spiegel Online: „Wenn der Bundespräsident Steinmeier den Wohlmeinenden Mut machen kann, sich nicht vom Geschrei verschrecken zu lassen, sondern beharrlich und unbeeindruckt vernunftgläubig weiter an einem Land zu arbeiten, das seinen Bewohnern und der Welt Hoffnung gibt – dann wird er der Präsident sein, den Deutschland braucht in dieser Zeit.”

Zeit Online: „Er muss nicht nur die freiheitlichen Ideale im Inneren gegen ihre Feinde verteidigen, wie es Gauck immer wieder getan hat, und sich für einen Ausgleich in der Gesellschaft einsetzen. Er muss auch nach außen – soweit es die Grenzen seines Amtes zulassen – für diese demokratischen Werte und eine faire, offene, an den Menschenrechten orientierte Ordnung der Welt eintreten.”

tagesschau.de: „Wer Steinmeiers Antrittsrede zugehört hat, der hörte einerseits den Außenminister reden, andererseits aber auch jemanden, der versucht, ein bisschen wie Joachim Gauck zu sein. An beidem ist erstmal nichts auszusetzen. Trotzdem sollte Steinmeier jetzt vor allem selber Mut beweisen. Den Mut, das was war abzuschütteln und mit seinem Herzen noch ein bisschen mehr ans Volk heranzurücken. Dann sind alle Voraussetzungen gegeben, dass Steinmeier als Mut-mach-Präsident ein Erfolg wird.”

Menü