Nach Gauck kommt Steinmeier

Vom / Wahl heute

Frank-Walter Steinmeier. Foto: Marc Müller (Wikipedia)

Sonntag, 14.23 Uhr: Der künftige Bundespräsident tritt ans Mikrofon. Die Zustimmung für ihn sei eine Ermutigung auf dem Weg ins höchste Staatsamt, sagte Frank-Walter Steinmeier. „Ich weiß, wir leben in stürmischen Zeiten. Die Menschen sind verunsichert.“ Die Frage sei nun: „Was ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält?“ Deutschland werde weltweit als Anker der Hoffnung angesehen. „Wenn das Fundament anderswo wackelt, dann müssen wir umso fester zu diesem Fundament stehen“, so Steinmeier. „Liebe Landsleute, lasst uns mutig sein. Dann ist mir um die Zukunft nicht bange“, schloss er seine Rede.

Rückblende. 12 Uhr. Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnet die Bundesversammlung. Er verweist auf die besondere Rolle, die dem Bundespräsidenten gerade in einer Zeit zukomme, in der „gern das Trennende gegenüber dem Einenden, das Besondere gegenüber dem Allgemeinen“ betont werde. „Einen demokratischen Grundkonsens zu formulieren, ist schwieriger geworden.“ Das mache die Aufgabe des Bundespräsidenten nicht einfacher, aber seine Bedeutung im Verfassungsgefüge umso größer, so Lammert.

Er redet gut 35 Minuten, warnt vor US-Präsident Donald Trump, vor „Abschottung“, wirbt für ein starkes Europa und Weltoffenheit. Und rührt den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck zu Tränen. Gauck habe das Amt auf „überzeugende Weise“ ausgefüllt und „einen bedeutenden Beitrag zum demokratischen Zusammenhalt geleistet“, so Lammert. Applaus und standing Ovations. Gauck erhebt sich sichtlich gerührt.

12.38 Uhr: Die beiden Schriftführer rufen die Wahlleute in alphabetischer Reihenfolge nach vorn. Knapp 1260 Namen und gut anderthalb Stunden später sind die Stimmen ausgezählt: 128 Wahlleute stimmen für Christoph Butterwegge (Kandidat der Linken), 42 für Albrecht Glaser (Kandidat der AfD), 25 für Alexander Hold (Kandidat der Freien Wähler), 10 für Engelbert Sonneborn (Kandidat der Piraten) – und 931 für Frank-Walter Steinmeier, den gemeinsamen Kandidaten der Großen Koalition. 103 Wahlleute enthalten sich.

931 Stimmen – das reicht, um gleich im ersten Wahlgang gewählt zu sein: Mindestens hätte er 631 gebraucht. Noch bevor Bundestagspräsident Norbert Lammert ihn offiziell zum Sieger erklärt, türmen sich die Blumensträuße an Steinmeiers Platz. Ob er die Wahl annehme, unterbricht Lammert die Gratulationen. „Ja, gern“, erwidert Steinmeier.

Gewählt ist Steinmeier nun. Antreten wird er das Amt aber erst am 19. März. Bis dahin ist Joachim Gauck noch im Amt. Der 77-Jährige hatte nicht für eine zweite kandidiert.

Die Statistik:

Die Bundesversammlung hat 1260 Mitglieder. Einige fehlten aber entschuldigt.

Abgegebene Stimmen: 1253
ungültige Stimmen: 14
gültige Stimmen: 1239
Stimmenthaltungen: 103

CDU (428)/CSU (111) und SPD (384) hatten zusammen 923 Stimmen. Grüne 147, Linke 95, FDP 36, AfD 35 und die Piraten 11 Stimmen. Hinzu kamen zehn Mitglieder der Freien Wähler aus Bayern, je ein Mitglied der Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen (BVB)/Freie Wähler und des Südschleswigschen Wählerverbandes sowie die fraktionslose Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach.

Gewusst?

Wie oft stand der Bundespräsident gleich nach dem ersten Wahlgang fest?

Für die erste Amtszeit gelang das sechs Bundespräsidenten: Walter Scheel (1974), Karl Carstens (1979), Richard von Weizsäcker (1984), Horst Köhler (2004), Joachim Gauck (2012) und Frank-Walter Steinmeier (2017).

Von allen bisherigen Bundespräsidenten wurden vier in eine zweite Amtszeit gewählt. Dafür war in allen Fällen ebenfalls nur ein Wahlgang nötig: Theordor Heuss (1954), Heinrich Lübke (1964), Richard von Weizsäcker (1989) und Horst Köhler (2009).

Menü