Macrons Partei gewinnt erste Runde

Vom / Wahl heute

Emmanuel Macron kann sich bestätigt fühlen: 32,3 Prozent der Wähler gaben „La République en marche!” am Sonntag die Stimme. Das Lager des französischen Präsidenten hat damit die erste Runde der Parlamentswahl klar gewonnen. Die bürgerliche Rechte um die konservativen Republikaner erreichte zusammen knapp 21,6 Prozent. Die Sozialisten stürzten ab, zusammen mit anderen Kandidaten der moderaten Linken kamen sie auf lediglich 9,5 Prozent der gültigen Stimmen. Die Bewerber der Front National erzielten 13,2 Prozent. Die Linkspartei La France Insoumise erhielt 11 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,7 Prozent. Hintergründe, Grafiken – hier.

Laut Meinungsforschern kann das Macron-Lager bei der entscheidenden Runde am 18. Juni mit 400 bis 455 der insgesamt 577 Sitzen rechnen. Das wäre eine breite Basis für Macrons Reformprogramm.

Die Ergebnisse im Detail – hier

So geht es weiter

Nur in wenigen der 577 Wahlkreise ist der jeweilige Abgeordnete schon im ersten Durchgang gewählt worden. In der Mehrzahl fällt die Entscheidung erst in der Stichwahl am Sonntag.

 

Wie wird gewählt?

Im ersten Wahlgang ist ein Kandidat/eine Kandidatin gewählt, wenn er/sie mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen im Wahlkreis gewinnt. Die Stimmenzahl muss mindestens 25 Prozent der Zahl der Wahlberechtigten betragen. Sollte die oben genannten Vorgaben niemand erfüllen, so gibt es einen zweiten Wahlgang. Antreten dürfen dann alle Kandidaten, die im ersten Wahlgang mindestens 12,5 Prozent der Stimmen der Wahlberechtigten im Wahlkreis gewonnen haben – immer jedoch wenigstens jene zwei Kandidaten, die im ersten Wahlgang vorn lagen. Im zweiten Wahlgang reicht die relative Mehrheit zum Gewinn des Sitzes im neuen Parlament.

Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung: Macron kann (wie einst de Gaulle) für sich reklamieren, er allein sei der wahre Vertreter des Volkes. Das Parlament wirkt wie eine Versammlung von Zöglingen seiner Gnaden. Diese absolutistische Versuchung stellt Macron auf die Probe. Als Kandidat hatte er versprochen, Frankreichs Demokratie zu erneuern. Als Präsident kann er dies einlösen, indem er der Nationalversammlung mehr Rechte zur Kontrolle der Regierung gibt.

Tagesspiegel: Macron sollte sich (…) nicht allzu sehr darüber freuen, dass er im Parlament – abgesehen von den konservativen Republikanern – voraussichtlich keine nennenswerte Opposition mehr hat. Denn der Widerstand, der ansonsten in der Nationalversammlung angesichts seiner angekündigten Reformprojekte zu erwarten wäre, könnte sich auf die Straße verlagern. Und dort führen in der Regel die radikalen Reformverweigerer das Wort.

Rhein-Neckar-Zeitung: Ganz klar: Die französischen Wähler bauen die Republik um. Dazu ist es auch höchste Zeit. Das Land ist wirtschaftlich und politisch verkrustet. Und es sieht ganz danach aus, als ob sehr viele Franzosen sich von Macron erhoffen, dass dieser den gordischen Knoten zerschlägt.

Rheinische Post: Die erste Runde der französischen Parlamentswahl war mehr als ein Stimmungstest. Sie war das Bekenntnis vieler Franzosen zu neuen zündenden politischen Ideen, zu Optimismus und Aufbruch.

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