Tories verpassen Mehrheit

Vom / Wahl heute

Theresa May. Foto: https://www.gov.uk/government
Theresa May. Foto: gov.uk/government

Die Konservativen um Premierministerin Theresa May haben bei der Unterhauswahl in Großbritannien die absolute Mehrheit verloren. Regieren möchten sie trotzdem weiter.

Die Tories holen 318 der insgesamt 650 Sitze. 7 weniger, als für die absolute Mehrheit notwendig sind. Bei der Wahl 2015 hatten sie 330 Sitze erzielt.

Die Labour-Partei von Herausforderer Jeremy Corbyn steht bei 262 Abgeordneten (2015: 232), die Liberaldemokraten kommen auf 12 Sitze, die Scottish National Party auf 35 Abgeordnete. 23 Sitze gehen an kleinere Parteien (hier die Details). Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 70 Prozent (hier geht`s zur Karte).

In Großbritannien waren 46,9 Millionen Menschen aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. May hatte die Wahl vorgezogen, um ihre Position vor den Brexit-Verhandlungen zu stärken. Die Premierministerin stellt die Kontrolle der Grenzen über eine Beteiligung Großbritanniens am europäischen Binnenmarkt. Labour hingegen will einen weicheren Brexit und eng mit der EU zusammenarbeiten.

Am Freitag hat Queen Elizabeth der Premierministerin den Auftrag zur Regierungsbildung gegeben. May plant eine konservative Minderheitsregierung mit Duldung der nordirischen DUP (Democratic Unionist Party, 10 Sitze). Die Brexit-Gepräche möchte sie wie vorgesehen in zehn Tagen beginnen.

Pressestimmen

The Times: Theresa May hatte gehofft, vergangene Nacht die politische Landkarte Großbritanniens zu verändern. (…) Stattdessen wurde sie nach ersten Anzeichen gedemütigt und ihre Partei steht ohne Mehrheit da. Sie hat gezockt und verloren.

The Guardian: Theresa Mays Wagnis, eine vorgezogene Wahl nach einem großen Vorsprung der Konservativen in den Umfragen auszurufen, scheint (…) fehlgeschlagen zu sein.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Welches Desaster! Es ist ein Desaster für Theresa May, die den Wählern doch Stärke und Festigkeit versprochen hatte, und für die Partei. Vor einem Jahr hatte David Cameron mit der Abstimmung über einen Brexit aufs falsche Pferd gesetzt; der Ausgang ist bekannt.

Neue Zürcher Zeitung: Der Entscheid von Premierministerin May für vorgezogene Neuwahlen in Großbritannien ist zu einem Albtraum geworden – nicht nur für May selbst (…), sondern auch für das Land und für Europa.

Menü