Facebook, die Wahl und die Parteien

Vom / Fundstücke Wahl heute

Wir haben die Facebook-Beiträge der Landesverbände von CDU, SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und AfD vom 24. Juni bis 21. September 2017 ausgewertet. Das sind: 90 Tage Wahlkampf. Was wurde gepostet? Wie oft? Und wie erfolgreich? Hier die Ergebnisse.

Hintergrund

Bei der Reichweite von Beiträgen, also wie viele Menschen die Beiträge sehen, spielt die Anzahl der Fans eine wesentliche Rolle. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD klar vorn (die Strategie der Partei – hier erklärt von Politikberater und Blogger Martin Fuchs). Sie hat mehr Gefällt-mir-Angaben als die anderen Parteien zusammen.

Ergebnisse

Wie viele Beiträge sind in den 90 Tagen gepostet worden? AfD und FDP sind deutlich aktiver als Linke und SPD, gefolgt von CDU und Bündnis 90/Die Grünen.

Dabei kommen die Beiträge nicht immer aus der eigenen Feder. Bei der SPD sind 50 Prozent geteilte Inhalte. Bei allen Parteien stammen die geteilten Beiträge überwiegend von den Fraktionen, Kreisverbänden oder Politikern der jeweiligen Parteien.

Das Ergebnis hier: AfD vor Linke, die im Verhältnis zur Anzahl der Fans sogar vorn liegt. Die anderen Landesverbände fallen deutlich ab.

Bei der durchschnittlichen Anzahl der Zeichen pro Beitrag liegen Linke, FDP und AfD mit Werten zwischen 280 und 256 dicht beieinander. Zum Vergleich: eine SMS hat 160 und Twitter bietet 140 Zeichen Platz für eine Nachricht. Spitzenreiter sind die Grünen mit 482 Zeichen.

Extra

Für die Auswertung haben wir eine Schnittstelle genutzt, die Facebook anbietet. Die Zahlen haben wir in eine Datenbank eingespielt und in Tabellen umgewandelt. Übrigens: Hinweise auf die viel diskutierten Socialbots (Hintergrund: hier) konnten wir bei den Landesverbänden nicht finden.

Interview

Richard Hilmer. Foto: www.policymatters.de

Drei Fragen an Richard Hilmer, Mitbegründer von Infratest dimap

Es gibt TV- und Haustürwahlkampf – und immer mehr: den Wahlkampf in den sozialen Medien. Ist dieser inzwischen wichtiger als die anderen?

Richard Hilmer: Die Parteien haben alle drei Arten der Ansprache genutzt – und das ist auch richtig so. Mit TV-Spots erreicht man sicherlich die meisten Wahlberechtigten, kann aber nur zentrale Botschaften kommunizieren. Über soziale Medien kann man die Nutzer deutlich differenzierter und zum Teil auch schon zielgruppenspezifisch ansprechen. Speziell in Hinblick auf die Ansprache von Jungwählern ist dieses Instrument heute unverzichtbar, wobei die einzelnen Parteien Angebote wie Facebook, Twitter, Instagram etc. sehr unterschiedlich nutzen.

Wer nutzte diese Angebote im Wahlkampf am intensivsten?

Speziell die nicht im Bundestag vertretenen Parteien zur Aktivierung ihrer Sympathisanten. Die wieder in Mode gekommenen Hausbesuche sind ebenfalls sehr effektiv, insbesondere zur Mobilisierung der eigenen Wählerschaft, setzen aber entsprechende Ressourcen an Kommunikatoren voraus. Sie werden deshalb am intensivsten von den Volksparteien genutzt. Die Auswahl der besuchten Straßenzüge und Haushalte erfolgt heute datengestützt, um die Effizienz zu steigern.

Um die Stimmen – zum Beispiel – von Russlanddeutschen wurde im Wahlkampf gezielt geworben. Gehören klar umrissene Facebook-Anzeigen inzwischen zum Standard?

Das Beispiel Trump hat gezeigt, wie effektiv und zielgruppengenau man die sozialen Medien nutzen kann. Innerhalb der hier weit restriktiveren gesetzlichen Grenzen wird die zielgruppenspezifische Ansprache aber intensiv genutzt – Facebook vor allem von der AfD.

Das komplette Interview lesen Sie – hier

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