„Wie ein Déjà-vu”

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Wie ist er denn nun, der Wahlkampf 2017? Wir haben bei Jan Müller von der Arbeitsgruppe Politik und Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern nachgefragt.

Was macht Ihre Arbeitsgruppe im Wahlkampf?

Jan Müller. Foto: privat

Jan Müller: Wir besuchen Wahlkampfveranstaltungen, werten regionale und überregionale Medien aus. Und: Wir geben Auskunft. Selbst aus den Niederlanden und aus Spanien haben sich schon Zeitungen und Sender gemeldet, um über den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern zu berichten.

Was ist denn das Besondere in MV?

Zwei Beispiele. Angela Merkel hat in Vorpommern-Rügen ihren Wahlkreis. Dass die AfD ausgerechnet dort mit Landeschef Leif-Erik Holm antritt, ist zumindest taktisch clever. Der Herausforderer der Kanzlerin. Viele haben darüber berichtet.

Und das zweite Beispiel?

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zeigt wesentlich mehr Präsenz im Wahlkampf als ihr Vorgänger Erwin Sellering vor vier Jahren. Sie ist aber auch Bundesvizevorsitzende der SPD.

Wie erleben Sie den Wahlkampf bislang?

Wie ein Déjà-vu. Auch 2013 war die Union mit großem Vorsprung an der Spitze der Umfragen. Angela Merkel legt sich bei Themen kaum fest und bietet wenig Angriffsfläche. Für die SPD ist es schwierig, aus einer großen Koalition heraus Wahlkampf zu führen.

Gibt es neue Ideen bei der Wahlwerbung?

Auf Facebook, Youtube, Twitter wurde auch vor vier Jahren schon gesetzt. Wobei: Neu sind die Interviews der Spitzenkandidaten mit Youtubern. Die Parteien wollen die jungen Wähler erreichen. Instagram und Snapchat sind deshalb auch wichtiger geworden.

Setzen die Parteien auf neue Technik?

Die ein oder andere App ist hinzugekommen. Zum Beispiel die connect17-App von CDU/CSU. Wahlkämpfer können sich diese auf ihr Smartphone laden. Sie hilft beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf und zeichnet die fleißigsten Unterstützer aus.

Was hat Sie bislang am meisten überrascht?

Wie stabil die Parteien in den Umfragen geblieben sind. Es gab kurz den Schulz-Effekt für die SPD – das war es aber auch schon. Seit Monaten geht es kaum noch rauf oder runter.

Ist denn der Wahlkampf überhaupt noch spannend?

Spannend ist vor allem der Vierkampf von Linken, Grünen, FDP und AfD um Platz 3. Auch aus wissenschaftlicher Sicht, schließlich können sich hierbei mögliche Optionen für eine künftige Koalition ergeben.

Was können die Parteien noch tun bis zum Wahlsonntag?

Es geht jetzt vor allem darum, die eigenen Wähler zu mobilisieren. Es wird Wahlaufrufe geben, neue Plakate – und sicher auch noch so manchen Aufreger, um Aufmerksamkeit zu erregen. Jedenfalls wird es nicht an Kraftanstrengung fehlen.

Sonntag, 24. September, 18 Uhr. Wo werden Sie sein?

Mit Kollegen und Studenten in einem Hörsaal der Uni Rostock. Wir möchten zusammen den Wahlabend im TV schauen.

Und wie wird die Wahl 2017 ausgewertet?

Wir planen ein Seminar fürs nächste Semester. Dann geht es noch einmal um die Ergebnisse, um Programme und Kampagnen im Detail.

Jan Müller ist Mitglied der Arbeitsgruppe Politik und Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Mitarbeiter am Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock.

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